Glossar Fachbegriffe - Ton-Spuren

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Glossar Fachbegriffe

Böttgersteinzeug

Auf dem Weg zur Erfindung des europäischen Hartporzellans gelang es dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger (1682-1719), zunächst ein porzellanähnliches, rotes → Steinzeug herzustellen (1708). Dieses unterschied sich von den bisherigen keramischen Produkten durch seine Leichtigkeit bei hoher Dichte. Der Scherben war so hart, daß er sogar mit Ritz- und Schnittdekoren versehen werden konnte. Man bemühte sich, der stumpfen Oberfläche durch Polieren Glanz zu verleihen und sie mit aufgeschmolzenem Gold und Emailfarben zu beleben.
Die Herstellung des sog. Böttgersteinzeugs wurde von anderen Manufakturen in Holland und Deutschland übernommen und vereinzelt, z.B. in Plaue an der Havel und in Bayreuth, über Jahrzehnte weiter ausgeführt.

Brand

Beim Brennen werden verschiedene Fertigungsstadien in einen Ofen gesetzt: Gleichzeitig erfolgen sowohl der → Schrühbrand, bei dem aus dem Ton der Scherben wird als auch der Scharffeuer- und → Muffelglasurbrand, bei dem Glasur und Scherben sich verbinden bzw. die Bemalung in die Glasur ein- oder aufschmilzt.

Chinoiserie

Chinoiserien sind keine Originalkunstwerke aus dem Orient, sondern im Abendland angefertigte Kopien und Nachahmungen von Vorbildern aus dem Osten.
Sie waren in allen Ländern Europas weit verbreitet, da in der Zeit der wirtschaftlichen Erholung nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) Holland, England und Frankreich ihren Handel ausbauten und über den Seeweg Waren des Fernen Ostens nach Europa einführten. Mit den fremden Gütern breitete sich die Erkenntnis aus, daß neben der Antike noch andere Menschenrassen mit hoher Kultur existierten, von denen die Bibel - die zu der Zeit einzige autorative Quelle des Wissens - offenbar nichts wußte. Die wirklichen geografischen Grenzen des Fernen Ostens blieben den Europäern dabei völlig unklar. (Noch zur Zeit des Barock bezeichnete man den gesamten Orient als „Indien“, also China, Japan, Indien und alle übrigen Länder der fernen Welt.)
Die Bezeichnung „China“ meinte erst in zweiter Linie ein konkretes Gebiet, sondern war gleichzusetzen mit „Paradies“ oder „Traumland“. China wurde in der westlichen Vorstellung zu einer Welt märchenhaften Reichtums und größter – auch menschlicher - Vollkommenheit.
Es galt nun, das Wesen dieses wunderbaren Landes nach Europa zu tragen. Wie so oft glaubte man, mit der Übernahme der äußeren Form auch den geistigen Inhalt des Vorbildes in sich aufnehmen zu können. Durch das Sammeln von chinesischen Geräten und Kunstwerken und die Veredelung aller Lebensbereiche nach chinesischem Vorbild versuchten die Europäer, auch hier eine Umwelt zu schaffen, in der sich von selbst chinesischer Geist, Moral und Philosophie verbreiten sollten.
Die Chinoiserien waren das Ergebnis dieser Entwicklung. Das Bestreben, mit dem begehrten chinesischen Porzellan zu konkurrieren, führte auch bei der Verzierung der Fayencen zur Übernahme der Formen, Motive und Dekore der asiatischen Länder. Drachen, phantastische Vögel, Chinesen in bizarrer Kleidung, Landschaften mit Pagoden und Zwergbäumen sowie asiatische Blumen und Zweige waren die am häufigsten wiederkehrenden Themen. Dabei kam es durch eine Vereinfachung der Vorlagen und die Unkenntnis der komplizierten asiatischen Symbolsprache zu unverständlichen Wiedergaben und Kombinationen der Motive.

Craquelé (Haarrisse)

zufällige oder beabsichtigte feine Glasurrisse
Sie entstehen entweder durch eine unterschiedliche Wärmebehandlung während des Brennens oder
durch die unterschiedliche Ausdehnung von Scherben und Glasur beim Erkalten nach dem → Brand.

Drehen

Methode zur Formgebung keramischer Erzeugnisse auf einer Drehscheibe
Man unterscheidet das Freidrehen mit der Hand und das Ein- und Überdrehen, bei dem zusätzlich
Schablonen und Formen verwendet werden. Dreher waren neben Malern und Brennmeistern die wichtigsten Fachkräfte eines keramischen Unternehmens.

Engobe

dünner, feinkörniger Überzug aus weißer Tonmasse
Die Engobe soll den oft dunkleren → Scherben verdecken und wird wie eine Glasur aufgetragen.

Fahne

Bezeichnung für den Rand eines Tellers oder einer Platte
Die Fahne kann glatt, reliefiert oder auch durchbrochen sein.

Fayence

naturfarbige Tonware
Der poröse Scherben ist mit einer wasserundurchlässigen, undurchsichtigen weißen Zinnglasur bedeckt. Der Begriff leitet sich von der italienischen Stadt Faenza ab, die seit dem 15. Jahrhundert der Mittelpunkt der Fayence-Kunst war.

Fritte

durch Schmelzen verschiedener Stoffe entstandenes Glas
Die Fritte ist nach der Feinmahlung der Hauptbestandteil von Glasuren.

Jasperware

fein gekörntes, unglasiertes, hartes → Steinzeug, wurde durch den englischen Keramiker Josiah Wedgwood (1730-1795) weltbekannt
Jasperware ist rein weiß, kann aber im Gegensatz zu → Porzellan und → Steingut in vielen Farben getönt werden. Am berühmtesten wurde das „Wedgwood-Blau“, das von vielen Manufakturen in ganz Europa nachgeahmt wurde. In der Zeit des Klassizismus (um 1800) waren vor allem die antikisierenden, zweifarbigen Reliefplatten beliebt, die sich an geschnittenen Gemmen orientierten.

Kaffeekanne

Die Kaffekanne hat immer eine hohe gestreckte Gestalt; in der Frühzeit des 18. Jahrhunderts meist
birnförmig und bauchiger, gegen Ende des 18. Jahrhunderts schlanker und eleganter.

Lüster

schillernde, irisierende Glasur
Sie wird im → Brand durch die Reduktion färbender Metalloxide erzeugt.

Majolika

zinnglasierte Töpferware, hinsichtlich Technik und Materialbeschaffenheit annähernd identisch mit der
Fayence
Im Gegensatz zur Fayence besteht der Majolikadekor ausschließlich aus Scharffeuerfarben mit oder ohne Lüster. Im 13. Jahrhundert brachten Mauro-Araber die Fayencekunst nach Spanien. Die über Mallorca nach Italien importierte Ware und deren dortige Nachschöpfungen erhielten nach diesem Handelsort den Namen Majolika.

Marken/Signaturen

Viele Keramiken tragen unter dem Boden oder im Deckelinnern eine Manufakturmarke, häufig eine
Malermarke und vereinzelt eine zusätzliche Zahl.
Die Manufakturmarke ist das Fabriksignum und dient zur Abgrenzung und als Schutzzeichen. Sie weist die Ware als inländisches Produkt aus, d.h. das Erzeugnis fiel nicht mehr unter merkantilistische Bestimmungen und daraus abgeleitete Maßnahmen gegen ausländische Erzeugnisse des 18. Jahrhunderts. Aus diesen Gründen wurden vermutlich viele Stücke unbezeichnet gelassen, um ihre wahre Herkunft zu verschleiern und so eventuelle Zollbeschränkungen zu umgehen.
Die Malermarke - in fast allen Fällen ein Großbuchstabe - ist nicht der Ausdruck eines künstlerischen Selbstbewußtseins, sondern diente als interner Abrechnungsvermerk zur Berechnung des Stücklohns.

Mauken

Gärungsprozeß des Tons
Nach der Aufbereitung wird die Masse in feuchten Kellern so lange gelagert, bis sich ihre Plastizität durch die Fäulnisentwicklung verbessert hat.

Muffel

Behälter aus feuerfesten Platten
Er schützt einen Dekor mit Muffelfarben vor zu hohen Temperaturen im Brennofen.

Porzellan

keramisches Produkt mit weißem, klingendem, durchscheinendem → Scherben
Die Hauptbestandteile des Scherbens sind die feuerfeste Kaolinerde und der schmelzbare Feldspat. Glasur und Scherben verbinden sich, im Gegensatz zu den meisten anderen keramischen Produkten, durch den Brand zu einem glasharten, homogenen Körper. Je nach Höhe der Brenntemperatur unterscheidet man Weich- und Hartporzellan; doppelt gebranntes, unglasiertes Porzellan nennt man Biskuit.
Porzellan ist schon in der chinesischen Tang-Dynastie (618-907) hergestellt worden, im Abendland wurde es wohl Ende des 13. Jahrhunderts durch Marco Polo (1254-1324) bekannt. Er berichtete von einer Keramik, die an eine "porcella" genannte Schnecke erinnert. Der Legende nach verdankt das Porzellan diesem Vergleich seinen Namen.
Mit dem Welthandel gelangte ab dem 16. Jahrhundert chinesisches Porzellan in größeren Mengen nach Europa, wurde zum begehrten Sammelobjekt und schmückte die Schatzkammern von Fürsten und Königen. Eine jahrzehntelange Suche nach dem Herstellungsverfahren begann. Erst Johann Friedrich Böttger (1682-1719) gelang 1709 in Dresden die Fertigung von echtem, weißem Porzellan. 1710 erließ sein Landesherr August der Starke von Sachsen das Gründungsdekret der Porzellanmanufaktur in Meißen und ernannte Böttger zu deren erstem Direktor. Trotz rigoroser Maßnahmen konnte nicht verhindert werden, daß sich die Kenntnis der Porzellanherstellung in wenigen Jahrzehnten durch wandernde Keramikkünstler in ganz Europa verbreitete. Zahlreiche Manufakturen entstanden, wie z.B. in Sèvres (1738), Fürstenberg (1747), Berlin (1752) und Kopenhagen (1775).

Salzglasur

Glasur auf → Steinzeug
Die Herstellung erfolgt durch das Einstreuen von Kochsalz in den heißen Brennofen.

Schamotte

vorgebrannter, feuerfester Ton

Scherben

geformter und bearbeiteter Ton nach dem → Schrühbrand

Schrühbrand

erster Brand bei ca. 900°C
Der Tonkörper wird so verfestigt, daß er zwar noch porös genug ist, um Glasuren aufzunehmen, jedoch nicht mehr wasserlöslich und formbar ist.

Spiegel

Bezeichnung für die innere Fläche eines Tellers oder einer Platte
Der Spiegel kann gewölbt, flach oder gebuckelt sein.

Steingut

keramisches Produkt mit feinem, weiß-cremefarbenem Scherben
Um die Wasserundurchlässigkeit des → Scherbens zu gewährleisten, wurde dieser im 18. und 19.
Jahrhundert mit einer durchsichtigen, bleihaltigen Glasur versehen.
Steingut, von der Töpferfamilie Astbury Anfang des 18. Jahrhunderts in England entwickelt, wurde von dem Keramiker Josiah Wedgwood (1730-1795) verfeinert und verbessert. Seine porzellanartige, leichte Ware - zu Ehren der Königin Charlotte "Queensware" genannt - leitete ein neues Zeitalter der Keramik ein. Der Erfolg des billigen und widerstandsfähigen Steinguts war so groß, daß es seit dem späten 18. Jahrhundert die schwerere Fayence als Tafelgeschirr für weite Kreise der Bevölkerung ersetzte. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde auch das Steingut durch das inzwischen preiswerter gewordene → Porzellan verdrängt.

Steinzeug

sehr harte, dichte, farbige Töpferware mit einem wasserundurchlässigen Scherben
Steinzeug wird aus einer Mischung von Ton und Gestein bei sehr hohen Temperaturen gebrannt. Dabei schmilzt nicht der Ton, sondern die steinerne Substanz, die sich mit letzterem glasartig verdichtet. Obwohl weder weiß noch durchscheinend, ist das Steinzeug keramisch dem Porzellan verwandt.Das erste Steinzeug wurde im 4. Jahrhundert in China hergestellt, gelangte von dort in den Mittleren Osten und etwa im 14. Jahrhundert nach Europa. Die Hauptzentren der Steinzeugherstellung in Deutschland sind bis heute das Rheinland und der Westerwald.

Teekanne

Im 17. Jahrhundert in China wurde die Teekanne meist in bauchiger Form und aus rötlich-braunem
Steinzeug hergestellt. Diese gedrückte Birnenform wurde in Europa beibehalten und in → Porzellan oder Fayence gefertigt. Im 18. Jahrhundert setzte sich die heute gebräuchliche kugelähnliche Form durch.

Terrine

Suppenterrinen waren im 18. Jahrhundert wohl die wichtigsten und repräsentativsten Geschirrteile der
bürgerlichen Tafel. Ihre Form ist in der Regel halbkugelig mit einem gewölbten Deckel; am Falz des Deckels und am oberen Rand des Gefäßes befindet sich eine halbrunde Aussparung für die Suppenkelle. Diese einfache Grundform wurde von den Fayencekünstlern mit großer Variationsbreite dekoriert. Durch unterschiedliche Bemalungen und plastische Verzierungen schufen sie einfache Gebrauchsterrinen, aber auch prunkvolle Gefäße mit reichem Dekor. So konnten auf der Basis der gleichen Form Erzeugnisse für jeden Geschmack und jede Preisklasse angeboten werden.

Literatur:
Hela Schandelmaier, Gesellschaft der Keramikfreunde e.V.: Glossar keramischer Fachbegriffe
Frotscher, Sven. 2003. dtv-Atlas Keramik und Porzellan. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.[dtv-Lexikon]. 1974. dtv-Lexikon. 20 Bde., Bd. 6. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.
 
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